Mammographie-Screening - ein emotionales politisches Geschäft
Gestern Nachmittag diskutierte die Fraktion länger über die Motion von Esther Schönberger, mittels der sie ein umfassendes Mammografie-Screeningprogramm für den Kanton Luzern verlangt. Davon ausgehend, dass dadurch viele Fälle von Brustkrebs bei Frauen ab 50 Jahre entdeckt werden könnten, soll der Kanton alle Frauen zum Untersuch ihrer Brust auffordern. Die Regierung lehnt die Motion ab - weil der Nutzen bestritten ist (Antwort RR).
In der Diskussion zeigte sich, wie hochemotional die Frage ist. Denn viele haben in ihrem Umfeld erlebt, was eine Brustkrebsdiagnose bedeuten kann und wollen natürlich dies ihnen und anderen ersparen. Auch wenn ein Screening nur einer Frau pro Jahr hilft, erachten sie ein solches Programm als gerechtfertigt. Andere weisen darauf hin, dass es nicht um die Frage geht, ob man für oder gegen das Screening sei, sondern nur, ob der Staat von sich aus die Frauen dazu auffordern soll. Es werde keiner Frau das Screening verwehrt, wenn sie dies will. Die Regierung bestreitet den generellen Nutzen, bzw. er sei angesichts der Kosten nicht verhältnismässig.
Für die Kantonsräte wird es an der kommenden Session sehr schwierig. Folgen sie der Argumentation der sehr rational und technisch argumentierenden Regierung, tragen sie der Emotionalität der Sache vielleicht zuwenig Rechnung. Folgt man als Kantonsrat eher seinem Gefühl, könnte man bald mit weiteren Vorschlägen von Flächenuntersuchungen konfrontiert sein. Untersuchungen vielleicht, die sogar statistisch mehr Nutzen haben könnten.
Die klare Mehrheit der Fraktion sprach sich dann nach längerer Diskussion mindestens für eine Überweisung als Postulat aus. Die Regierung soll dranbleiben, aber man will sie nicht zwingend verpflichten. Da aber eine Namensabstimmung zu erwarten ist und nach Aussen nur die Befürworter der Motion als Ja-Stimmer wahrgenommen werden, hat die Motion gute Chancen.
