Analyse der Wahlen: Wir nehmen uns Zeit
Es gibt vereinzelte Stimmen, die von uns bereits am Sonntagabend eine fundierte Analyse der Wahlergebnisse erwartet haben. Dass dies aber so schnell nicht möglich und vorallem nicht so einfach ist, leuchtet der grossen Mehrheit jedoch ein. Heute Abend wird hingegen von uns erwartet, dass wir vor den Delegierten eine Einschätzung formulieren.
Unsere Strategie war immer, über eine möglichst hohe direkte Ansprache unsere Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Dies im Wissen darum, dass die "Grosswetterlage" für uns nicht gut ist. Dass dann zu den Wolken am Himmel noch Blitz und Donner wegen der AKW-Katastrophe und danach ausgiebige Regengüsse wie in Baselland und Zürich kamen, war so nicht vorhersehbar.
Ein Politbeobachter hat formuliert: "Image schlägt Organisation". Das Image der CVP - welches ganz offenbar ramponiert ist - hat grösseren Einfluss als unsere Arbeit im handwerklichen Bereich. Die Frage für uns ist, ob die Verluste noch grösser gewesen wären, wenn wir vieles im Operativen anders oder gar nicht gemacht hätten.
Die CVP hat das Problem, dass sie sich gegen zwei Seiten behaupten muss. Es gibt immer noch einen erheblichen Teil Stammwähler, welche nationalkonservative Tendenzen haben und die sich auch vorstellen können, SVP zu wählen. Zudem haben wir eine neue Konkurrenz mit einem anderen Label, die unverbraucht ist und entsprechend auftreten kann. Die Politik dieser neuen Kraft wird aber unwesentlich anders sein als die unsrige. Massnahmen, die allenfalls am Rand der einen Seite absichern helfen, bewirken Abgänge auf der anderen Seite.
Und vermutlich ist es so, dass die Wählerbindung nicht mehr besonders gross ist. Das Wahlvolk wählt eine Partei wie sie beim Einkaufen einen Momententscheid fällt und ein Produkt vom Gestell nimmt. Für das parteipolitische Schaffen haben sich deshalb die Rahmenbedingungen erheblich geändert.
Angesichts dieser Ausgangslage die Richtung zu weisen, ist die Herausforderung der nächsten Tage und Wochen.
